„Ausländermaut“

Da ist es schon wieder, dieses hässliche Wort, das manche lieber durch „Autobahngebühr für Transitreisende“ u.a. ersetzen, womit sich in der Sache allerdings nichts ändert. Als Horst Seehofer diesen Bazillus (oder Virus?) im Wahlkampf ausgehustet hat, da war man ja geneigt, an einen eher endemischen Krankheitsbefall zu glauben („is scho a Hund, unser Horsti!“), nun aber scheint es sich doch nicht um einen banalen grippalen Infekt, sondern um eine veritable, epidemisch sich ausbreitende Grippe zu handeln. Zur Rechtfertigung dafür, ausländische Pkw-Fahrer in Zukunft zur Kasse zu bitten, musste zum einen die Feststellung herhalten, dass deutsche Autofahrer im Ausland zum Teil ordentlich blechen müssen (dass die jeweils Einheimischen nicht verschont bleiben, kam dabei nicht zur Sprache), zum anderen das Gebot der Gerechtigkeit, denn es könne nicht angehen, dass ausschließlich der deutsche Steuerzahler für das Stopfen der Fahrbahnlöcher aufzukommen hat.

Herr Seehofer, Herr Ministerpräsident: Könnten Sie sich bitte einmal mit derselben Chuzpe dafür einsetzen, dass endlich auch bei uns ein Tempolimit auf Autobahnen eingeführt wird? Schauen Sie, überall in Europa fährt man gebremst (maximal 130; nur Polen brät sich mit 140 km/h eine Extrawurst) und zahlt zum Teil Unsummen, wenn man als Raser erwischt wird. Ach richtig, bei uns gab es ja mal die sogenannte Richtgeschwindigkeit von 130 km/h, und sie gibt es (seit 1978) sogar immer noch, nur keinen kümmert das, denn es ist ja nur eine Empfehlung (§1 der Autobahn-Richtgeschwindigkeits-Verordnung).

Also: Tempolimit endlich auch bei uns von – meinetwegen – 130! Da würden vielleicht schon mal alle Ausländer wegbleiben, die eigens zu uns kommen, um im gemieteten Porsche, BMW oder Ferrari unentgeltlich dahinzubrettern, sich und andere Verkehrsteilnehmer in Lebensgefahr bringen und (nebenbei) dem Klimawandel einen kräftigen Schub verleihen. Die, die dennoch kämen, könnte man dann ja bei Geschwindigkeitsübertretung empfindlich zur Kasse bitten.

Das wär’s für heute.

Susanne Luecke