Selber schießen – leider nicht mehr erforderlich. 100 Jahre Ende des ersten Weltkriegs.

Wie war das doch gleich früher, im Mittelalter, im dreißigjährigen, im siebenjährigen Krieg zum Beispiel?

Da zogen die Kaiser und Könige noch selber in die Schlacht, kämpften wie ihre Ritter (später ihre Soldaten) und starben auch gleich ihnen auf dem Schlachtfeld. Der Staufer Manfred etwa, der Lieblingssohn Kaiser Friedrichs II., ließ 1266 sein Leben bei Benevent, besiegt von Karl von Anjou. Weil ihn der Papst mit dem Kirchenbann belegt hatte, wurde er noch nicht einmal in geweihter Erde begraben. – König Gustav Adolf von Schweden: 1632 kam es vor Lützen, einem kleinen Ort bei Leipzig, zur Schlacht gegen die Kaiserlichen um Ferdinand II. Der schwedische König, der sich trotz seiner Kurzsichtigkeit ins Kampfgetümmel gestürzt hatte und zwischen die feindlichen Stellungen geriet (vielleicht auch wegen des Nebels, der geherrscht haben soll), wurde zunächst angeschossen und schließlich getötet. – Manche gekrönten Häupter haben aber auch Glück oder die nötige Chuzpe bzw. Geistesgegenwart, wie der Preußenkönig Friedrich, genannt der Große. Der soll, als ihm ein Gegner zu nahe gekommen war und gerade die Büchse auf ihn anlegte, dem zugerufen haben: „Er hat ja gar kein Pulver auf der Pfanne!“ Der verdutzte Schütze fiel darauf herein, überprüfte sein Gewehr, und Friedrich nutzte die Zeit, sich aus dem Staub zu machen. Selber schießen – leider nicht mehr erforderlich. 100 Jahre Ende des ersten Weltkriegs. weiterlesen

Weg mit dem Alten, her mit dem Neuen!

Ein Kapitel aus meinem „Schondorfer Schreibheft“ (in der Gemeindebücherei Schondorf).

Januar  2002. „Für uns ein beunruhigender Jahresanfang. Gestern hörten wir, dass das Gasthaus zur ‚Post‘ drunten am See neben der romanischen Kirche verkauft ist und abgerissen werden soll, samt der Remise, die die Jahreszahl 1906 trägt. Den ganzen Winter Weg mit dem Alten, her mit dem Neuen! weiterlesen

Also was denn nun – mehr Emotionen oder weniger?

Im November 2014 äußerte der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber  (CSU) in einem Gespräch mit der Illustrierten BUNTE Kritik an seiner Partei. Da fehle es an Engagement und Temperament (so etwa), und das sei wesentlich schuld an der bedenklich zunehmenden Wahlverdrossenheit. Also forderte er expressis verbis „mehr Herz, mehr Emotionen“,  sinngemäß: bewegen Sie, meine Damen und Herren Parteifreunde und -freundinnen, Ihren Arsch, dann werden denselben auch die Bürgerinnen und Bürger bewegen. Also was denn nun – mehr Emotionen oder weniger? weiterlesen

Entspannt ins neue Jahr

Im Folgenden geht es nicht um die großen Katastrophen im Leben, wie sie den Stoff für
Tragödien liefern, sondern um den ganz banalen Alltagsärger, der in der Lage ist, uns für einige Zeit aus dem Gleichgewicht zu bringen. So lange wir am Ende unseren Fuß auf die Brust eines Besiegten setzen können, ist alles gut; was aber, wenn wir die Unterlegenen sind? Freilich, Misserfolge sind nicht unbedingt vorhersehbar, viele wären aber vermeidbar. Das erfordert allerdings ein wenig Umdenken, zumal wenn Sie zu jenen gehören, die sich rigoros einer Selbstoptimierung zu unterziehen gedenken oder sich entschlossen in eine Selbsterkundunsarbeit stürzen wollen. Die Enttäuschung ist vorprogrammiert.
Entspannt ins neue Jahr weiterlesen

„Lasst alle Hoffnung fahren!“, Teil 2

Noch ein unrühmliches Kapitel für deutsche Politiker und Diplomaten: der Fall der Elisabeth Käsemann, Tochter des Theologieprofessors und Mitglied der „Bekennenden Kirche“ Ernst Käsemann. Sie studierte in den sechziger Jahren Soziologie und Politikwissenschaften in Berlin und ging im Rahmen ihres Studiums als Praktikantin nach Lateinamerika, zunächst nach Bolivien, 1970 nach Buenos Aires. Die große Armut und Ungerechtigkeit in diesem Land berührten sie so, dass sie beschloss, dauerhaft in Argentien zu leben und sich für eine soziale Revolution einzusetzen. Doch die 1976 eingesetzte Militärdiktatur durchkreuzte ihre Pläne und wurde ihr schließlich zum Verhängnis. Mit anderen Gleichgesinnten wurde sie 1977 inhaftiert, gefoltert und noch im selben Jahr durch vier Pistolenschüsse in Rücken und Genick ermordet. „Lasst alle Hoffnung fahren!“, Teil 2 weiterlesen