„Lasst alle Hoffnung fahren!“

„Lasciate ogni speranza“ – lasst alle Hoffnung fahren! Diese Botschaft gibt Dante in seiner Göttlichen Komödie den zu ewiger Hölle Verdammten mit auf den Weg.

An die Hölle glauben wir heute ja nicht mehr, oder? Es gibt sie aber doch – dann und wann, da und dort, wenn auch nicht tief drin in der Erde, wo sie sich das Mittelalter dachte, sondern an ihrer Oberfläche, zum Beispiel (Nummer eins) in Chile von 1961 bis 1988, oder (Nummer zwei) in Argentinien in den 70er Jahren. Warum mir das ausgerechnet jetzt einfällt? Weil es aktuell um das Schicksal von vielen in der Türkei (wegen nicht nachvollziehbarer Vergehen) inhaftierten Journalisten und Menschenrechtlern geht. Unter den elf Untersuchungshäftlingen deutscher Staatsbürgerschaft ist auch die junge Übersetzerin Mesale Tolu, die mit ihrem zweijährigen Sohn seit April in einem türkischen Untersuchungsgefängnis einsitzt. „Lasst alle Hoffnung fahren!“ weiterlesen

Wer bestimmt, ob wir „gesund“ oder „krank“ sind? Gedanken zum Welt-Adipositas-Tag

Kein Tag vergeht, ohne dass er zu einem deutschen, europäischen oder weltweiten Gedenk- oder Aktionstag erklärt wurde, und es herrscht geradezu ein ausuferndes Gedenken an irgend etwas hat das Leben doch unzählige Themen im Angebot. So gibt bzw. gab es den Welt-Händewasch-Tag, einen Stell-dich-deinen-Ängsten-Tag, einen Welthundetag, einen Thrombose-und-Hämostaseologie-Tag, einen Nimm-Deinen Teddybär-mit-zur-Arbeit-Tag, einen Weltnudeltag und Wer bestimmt, ob wir „gesund“ oder „krank“ sind? Gedanken zum Welt-Adipositas-Tag weiterlesen

Maschine Kind. Gedanken zum Schulanfang.

Morgen ist es auch in Bayern vorbei mit der Lotterei – Schulanfang! Aus der Spaß, Schluss mit dem Langschläfertum! Wenn um sechs (oder früher?) der Wecker klingelt, wird die Maschine Kind angeknipst und hat auf der Stelle störungsfrei zu funktionieren.

Ich – im Folgenden: das Kind. Dieses Kind war so unartig, am Abend Maschine Kind. Gedanken zum Schulanfang. weiterlesen

Lieber einen Terroristen im Haus …

Vor vielen Jahren sagte mir einmal eine kanadische Journalistin, sie habe lieber einen Terroristen als die Polizei im Haus. Ich war damals irritiert und habe seitdem häufig darüber nachgedacht. Als kürzlich die ARD in ihrer Sendung „Europamagazin“ eine Meldung in den Printmedien aufgriffen und über einen jungen Polen berichteten, der (wie sich später herausstellte, obendrein unschuldig) im Mai 2016 in Breslau von der Polizei mit einem Elektoschocker traktiert, verprügelt und getreten wurde und schließlich an den Folgen starb, war mir dieser Satz spontan wieder präsent. Die verantwortlichen Beamten wurden zunächst nicht zur Rechenschaft gezogen, da im polnischen Strafgesetzbuch der Tatbestand der Folter fehlt. Erst nachdem das Fernsehen Aufnahmen von den Misshandlungen publiziert hatte, wurden die Täter aus dem Polizeidienst entlassen.
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Euro trash

Das hat nichts mit Kritik an der EU zu tun, sondern fällt für die englisch sprechende Welt u.a. in die Kategorie Kulturmüll und meint im Besonderen europäische, zumal deutsche extravagante, trivialisierende Inszenierungen klassischer Bühnenwerke. Viele Amerikaner verzichten längst auf lange Reisen und teure Tickets für Bayreuther und sonstige Opernfestspiele, weil sie nicht geneigt sind, über eventuelle Absichten und Anspielungen hinter einer banalen Fassade nachzudenken.
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„Wir schaffen uns ab“ (Christoph Süß in „Quer“)

Am 24. März schloss die diesjährige Cebit (Centrum für Büroautomation, Informationstechnologie und Telekommunikation) ihre Pforten, vermutlich schlossen sie sich – angemessen  ̶   wie von Geisterhand ganz von selbst.

Das Leben wird bald ein Kinderspiel sein. Wir brauchen so viele lästige Dinge nicht mehr selber zu machen. Das Auto fährt von allein, auch „Wir schaffen uns ab“ (Christoph Süß in „Quer“) weiterlesen

Deutsche raus aus Deutschland!

Das war neu: dass in den Nachrichten jener junge Mann, der in Heidelberg in eine Fußgängergruppe gerast war, ausdrücklich als Deutscher apostrophiert wurde, einmal sogar als jemand ohne Migrationshintergrund.

Um Himmels Willen! Was war geschehen? Bisher konnte man davon ausgehen, dass nicht näher qualifizierte Kriminelle einen deutschstämmigen Hintergrund hatten, zum Beispiel im Fall jener Studentin, die ihren Freund mittels Kettensäge zerlegt hatte. Andernfalls wurde man ja von Anfang an über die Hintergründe des Straffälligen informiert: der 21jährige Asylbewerber, der junge Mann aus Afghanistan, aus Tunesien und so weiter und so weiter.
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