Im Süden nichts Neues

Im Süden nichts Neues

Das war’s dann. Die große Show von Elmau ist vorüber. Über 300 Millionen Euro Kosten für ganze 24 Stunden. Zieht man die Zeit für Schlafen und Essen ab – wie viele Stunden blieben zum Reden, das ja unter diesen Voraussetzungen nicht mehr als Small Talk gewesen sein kann? Das Resultat ist dem entsprechend. Von „Geschlossenheit“ unter den Teilnehmern war zum Beispiel die Rede und, selbstverständlich, von Entschlossenheit, dem Klimawandel entschieden entgegen zu wirken. War das alles?

Im Bayerischen Fernsehen zog der Politikwissenschaftler Christian Hacke Bilanz: Die Kanzlerin habe unser Land „toll repräsentiert“. Die Event-Managerin Merkel („Wir wollen unseren Gästen ein schönes Stück Deutschland zeigen“) hat also den Erwartungen voll entsprochen.

Die Bilder vom gemütlichen Beisammensein am Sonntag Vormittag unter strahlendem Sommerhimmel erinnerte allerdings eher an ein gamsbartiges CSU-Treffen, bei dem (so ausdrücklich) Bier und Leberkässemmeln als urbaierisches Kulturgut den Kern einer Botschaft zu bilden schienen: Deutschland ist schön, aber Bayern ist schöner, sogar noch viel schöner als Heiligendamm.

Die Frage, ob die Ergebnisse des Gipfeltreffens den exorbitanten Einsatz an Geldmitteln und Polizeischutz wert gewesen seien, war unfair. Konkreter: Ob die Sanktionspolitik gegen Russland Wirkung zeigte? Das sei „ein starkes Signal“ gewesen, sagte Hacke. Und? Hat das Signal den Empfänger erreicht und wenn ja, mit welchem Resultat? Sanktionen verfehlen so gut wie immer ihre Wirkung. Sie schaden denen, die es nicht treffen soll, und nutzen jenen, denen sie schaden sollen. Wie war das gleich mit Napoleons „Kontinentalsperre“? Um seinen Erzfeind England abzustrafen, verordnete er 1806, dass britische Handelsschiffe keinen kontinentaleuropäischen Hafen mehr anlaufen durften. Die Briten sorgten während der acht Jahre dauernden Blockade für neue Handelspartner und gewannen dabei, während die französische Wirtschaft letztlich Verluste erlitt und – nebenbei – deutsche Zuckerrübenbauer einen lebhaften Aufschwung erlebten, weil das früher mit englischen Handelsschiffen importierte Zuckerrohr nicht mehr ins Land konnte. Und heute? Unter den Sanktionen gegen Russland leiden deutsche Hersteller, deren exportbereite Maschinen auf Halde liegen, während in Russland, wie es heißt, einheimische Unternehmen beginnen, selber herzustellen, was sie nicht importieren können.

Das wär’s für heute.

Susanne Luecke

5 thoughts on “Im Süden nichts Neues

  1. 340 Mio fuer ein Kaffee-Kränzchen.
    Wobei ich gelesen habe, die Kosten des Bundes sind gedeckelt bei 40 Mi
    Das heisst 300 Mio für den bay. Steuerzahler!
    Und 50 Straftaten hat man dadurch aufgedeckt, die nicht im Zusammenhang stehen und 10 Personen, die zur Fahndung ausgeschrieben waren konnten dingfest gemacht werden.
    Am besten gefiel mir bei dem Resuemee der Satz von Herrn Herrmann.
    Man tolerierte sogar Demonstranten die gegen die Inhalte des Gipfels waren!!!!!!!!

    1. Aber wenn es um angemessene Bezahlungen (z.B. von Erziehern ) geht, fehlt das Geld, und die Arbeit mit und für Asylbewerber und Flüchtlinge überlässt man großzügig den Ehrenamtlichen. Idealismus und Verantwortungsbewusstsein brauchen doch ihr Betätigungsfeld!
      Nein: Ironie ist hier völlig unangemessen. Wann wird der Wähler endlich aufwachen? Aber zumindest für unsere bayerische Staatspartei wird das Gipfel-Spektakel mit Dirndlcharme, Gamsbärten und schäumendem Bier sicher keinen Imageverlust bedeutet haben. (Ach, das Wetter hatte die CSU nicht gemacht? Zum Glück hatte Herr Seehofer das klargestellt.)

    2. Ich denke dieser Gipfel war der Gipfel an Peinlichkeiten nicht zu über bieten:
      10 Polizisten auf 1 Demonstranten. Diesen Einsatz dann mit ein paar collateralen
      Erfolgen zu preisen. Lächerliche Festnahmen wegen Teller und Pfahlwerfen aus der Distanz. Jubelorgien weil Obama Gruess Gott sagte und nicht hello.
      Preisungen von überragenden Ergebnissen, wie Kohleverbot nach 2099.
      Also Gebote schon für die über-über-über-über-nächste Generation erwirkt zu haben. Für die die sich definitiv Daten nicht wehren können.
      Den Russlandfeldzug manifestiert. Und der Grenzenlosen Selbst Überschätzung der Glorreichen 7 als Demokraten-Club: Kein Indien, kein Brasilien dabei.etc.
      Millionen verpulvert. Und dann noch ein Minister Hermann, der seine Naivität auf der Zunge trägt, in dem er stolz verkündet, Bayern habe auch solche Demonstranten zugelassen sind, die gegen diese Ziele sind.
      Mir ist da spontan 1936 in den Kopf geschossen:
      Weils so schön fuers Ausland werden sollte, hat man während der oertlichen Olympiade von ganz oben verordnet, dass eine unliebsame Bevölkerungsgruppe keine Kennzeichnungspflicht zu tragen habe.
      Man tolerierte auch ausnahmsweise die, die man sonst bekämpft.
      Und Herr Herrmann war des Eigenlobes daher nicht zu bremsen:
      Sogar die durften Demonstrieren, die dagegen sind.
      So muss es sein so kann es bleiben. Weissbier trinken und Weisswurst zuzeln.
      Mit vollen Händen Geld rauswerfen. Andere belasten und sein es die Urenkel.
      Strikte Kontrollen der eigene Bevölkerung bejubeln.
      Die amerikanischen Touris mit der Blaskapelle empfangen am Rollfeld.
      Dazu macht eine 3. Startbahn dafür Sinn.
      Und dem Russen schon mal zeigen Olympiade wie seinerseits in der UdSSR oder Fussbal-WM wie demnaechst auf russischem Boden nicht mit uns.

      1. Gerade habe ich erfahren, dass ein Privatmann hier in unserer Nähe einem Asylbewerber einen Deutschkurs aus seiner eigenen Schatulle finanziert (900 Euro). Das sollte gefälligst der Staat übernehmen, der den Mund doch so voll nimmt, wenn es um „Integration“ geht!

  2. Apropos Russland:
    Ich mag ihn zwar nicht besonders den Herrn Gauweiler,
    Aber bei der vorletzten Aschermittwochkundgebung hatte er eine flammende Prorussische Rede gehalten.
    Daran sollte die CSU in Bayern stets erinnert werden.
    Für mich als Verbraucher hat der Boykott aber auch gute Seiten:
    Die Milch wurde deutlich billiger.
    Und vor allem an der Tankstelle ist es viel billiger geworden.
    Und apropos Zuckerrübe:
    Das grosse Russland wird nun wieder Selbstversorger.
    Das stabilisiert kurioserweise unsere Lebensmittelpreise:
    Kann man Lebensmittel nicht mehr im grossen Stiele exportieren,
    Fallen die Preise im Innland.
    Daran zeigt sich auch, dass hohe Lebensmittelpreise in der Qualität begründet sei ein Ammenmaerchen ist.
    Umgekehrt ist richtig.
    Die hohe Quantität durch den Export hat Milch und Fleischpreise hoch getrieben.
    Aber auch das Benzin ist so billig wie nie.
    Obwohl der Euro so niedrig wie nie.
    Ich denke wir wurden hier gewaltig die letzten Jahre verarscht:
    Und würde man den Weizen und Mais nicht verbrennen wäre der Hunger in der Welt geringer.
    Für mich zeigt sich, dass hohe Qualität bei den Lebensmittel nämlich nicht zu hohen Preisen führt!
    Eine hohe Quantität führt zu hohen Preisen.
    Und die geht zu Lasten der Qualität.

Kommentare sind geschlossen.