Wehret den Anfängen!

 

Heute, siebzig Jahre nach dem Ende der Schreckensherrschaft des Dritten Reichs, kriechen die Enkel der Schergen von damals aus ihren Löchern und stampfen pöbelnd, prügelnd, brandschatzend durch ein, wie man meint, befriedetes Land, und das betrifft auch die, die nur verbal prügeln und die Lunte legen. Erinnert all das nicht  erschreckend an die Anfänge damals, als die Horden der SA prügelnd und mordend gegen die, die sie zu Feinden erklärt hatten, durch das Land fegten wie die apokalyptischen Reiter? Um das zu wissen, braucht heute niemand in die Archive zu tauchen. Es ist vielfach dokumentiert, publiziert und nachzulesen auch in leicht zugänglichen Quellen von Zeitzeugen wie etwa Oskar Maria Graf.

Freilich prügelten sie damals im Einvernehmen mit der Staatsgewalt, heute sind sie – noch – in der Minderheit und stehen im Gegensatz zur aufgeklärten, friedfertigen Mehrheit. Aber was tun die Politiker, die die Macht hätten zu verhindern, dass es mit der Zeit immer mehr werden und eines Tages so viele sind, dass sie zur folgenschweren Gefahr werden, statt um Verständnis für die „Ängste der Menschen“ zu werben? Sie sollten vielmehr aufklären über die Ängste jener, die vor Krieg und Terror in ihren Heimatländern fliehen und bei uns Schutz suchen. So weit ist es schon gekommen, dass die, die wirklich etwas gegen jenes Unwesen unternehmen, und die gibt es ja zum Glück, ihrerseits von dem gleichen Pöbel bedroht und bedrängt werden, der hasserfüllte Parolen gegen Asylsuchende verbreitet und Flüchtlingsunterkünfte anzündet.

Zu viele Rechtsradikale sind es heute schon, jeder einzelne ist einer zu viel. Derzeit sind in Deutschland 14 als rechtsextremistisch eingestufte Parteien und Organisationen zugelassen:

Nationaldemokratische Partei (NPD)

Die Rechte

Bund für Gesamtdeutschland

Der III. Weg

Deutsche Partei

Sächsische Volkspartei

Unabhängige Arbeiter-Partei

Pro-Bewegung (Dachverband der „Pro“ Parteien und Vereine)

Kieler Liste für Ausländerbegrenzung

Deutsche Liga für Volk und Heimat

Widerstand Süd

Widerstand West

Nationales und Soziales Aktionsbündnis Mitteldeutschland

Nationaler Widerstand Berlin-Brandenburg (kurz NWBB)

Selbstschutz Sachsen-Anhalt (kurz SS-SA)

Wehret den Anfängen! Diese Gelegenheit dürfen wir nicht ein zweites Mal ungenutzt verstreichen lassen. Darunter sollte man vor allem Aufklärung und konsequente Verfolgung von Straftätern aus dem rechtsradikalen Lager verstehen. Die entsprechenden Rechtsmittel sind vorhanden.

Das wär’s für heute.

Susanne Luecke

6 thoughts on “Wehret den Anfängen!

  1. Bravo Susanne !
    und erschreckend zugleich, wie viele rechte Organisationen sich bereits in unserer Demokratie zusammengefunden haben, die wir still schweigend tolerieren…………
    wie viele linke Organisationen stehen dagegen?
    wie viele halten sich bedeckt und schauen weg?
    Wir brauchen noch viel mehr Zivilcourage, um dagegen aufzubegehren und uns dagegen zu wehren. Empörung ist der erste Schritt………
    ein Verbot der NPD kann der nächste sein…………………….
    Du hast sie, liebe Susanne – Danke!

    1. Das Verbot der NPD ist ja umstritten. Irgendein Politiker (ich weiß leider nicht mehr, welcher) sagte kürzlich, die Partei könne man verbieten, nicht aber das „rechte“ Gedankengut. Es wird im Untergrund weitergären.

      1. Genau das ist die Crux:
        Weil vor 12 Jahren, das Verbot eben nicht durchgesetzt werden konnte,
        machten die munter weiter.
        Die stützen sich dabei auf Rechte, die sie anderen verwehren.
        Begriffe, die es schon in den 30er gab wie Volksverräter und Lügenpresse
        wurden dadurch wieder salonfähig.
        Das SA-mäsige Gebahren dieser Horden ist im Osten Deutschlands
        an der Tagesordnung.
        Damit ist ein Verbot mehr als überfällig.
        Und das Gerede vom Untergrund gehen ist Blödsinn:
        Deren Gedankengut wird durch Pegida und vor allem durch die AFD in die Parlamente getragen.

  2. Also warum sollten wir in Deutschland davon verschont bleiben.
    Die Situation ist europaweit wie in den 30igern:
    HC Strache, LePen, Pis-Partei, Orban, Musolini-Enkelin, Ukraine etc.
    Warum sollte der Kelch an uns vorübergehen?
    Ich denke 15 bis 20% sind national überall gesinnt.
    Das hat mit der deutschen Sonderform des Nationalsozialismus noch nichts zu tun.
    Und in Deutschland gabs vor der NSDAP auch schon starke nationalkonservative bis faschistoide klerikale Bestrebungen.
    In Österreich sogar an der Regierung mit Dolfuss und Schuschnigg.
    Franko und Mussolini lange vor Hitler.
    Und Europa steht doch kurz vor der Auflösung.
    Grenzen dicht und der Euro vor dem aus.
    Dafür solls den Sparstrümpfen an den Kragen gehen:
    Jedes Bargeld muss künftig zur Bank, damit man dann ungezwungen Negativzinsen holen kann.
    Urlaub ist dann nur noch den Reichen vorbehalten, die ihr Geld bereits im Ausland haben.
    1000 RM für ne Österreich-Reise; hatten wir alles schon!
    Nein, liebe Frau Lücke, das Problem ist kein ausschliesslich Nationales.
    In Frankreich herrscht seit Monaten Kriegszustand und das bei einer sozialistischen Regierung.
    Der nationale Notstand ist in Polen und Ungarn ausgerufen und in der Türkei
    mit unserer Unterstützung praktiziert.
    Und bei uns auch in der Staatsanwaltschaft angekommen.
    Der dort zuständige sagte die Leute hatten Angst und zündeten deshalb das Asylheim an.
    Mit dem selben Argument könnte man auch das Tierheim anzünden, weil man Angst vor Hunden hat.
    Schuld sind die Politiker, die diese Horden als besorgte Bürger bezeichnen wenn 30.000 demonstrieren.
    Aber 300.000 als Chaoten, wenn diese gegen TTIP protestieren.
    Zum Abschluss noch ein Gedankensprung.
    Ein Staufenberg war im Widerstand gegen Hitler, nicht gegen den Nationalsolzialismus und schon gar nicht gegen den Krieg.
    Und die Herren Papen, ebensolche konservativen Steigbügelhalter von damals, gibts doch wieder Zuhauf: Bernd Lucke und wie sie alle heissen.
    In diesem Sinne gibts offensichtlich auch schon einen neuen deutschen Gruß:
    Petri Heil!

    1. Alles in allem erschreckend. Hat Europa eine Überlebenschance, ohne ein geeintes Europa zu sein? Und ist es wirklich so schwer zu verstehen, was „solidarisch“ bedeutet? Warum ist die Wahlbeteiligung (vor allem bei Kommunalwahlen) so schwach? Haben wir eigentlich begriffen, was Demokratie bedeutet?
      Das Ergebnis der Kommunalwahlen gestern in Hessen lässt einen erschaudern (vorläufiges Ergebnis: im Schnitt 13,2 % für die AfD!) und wieder mal an die Schattenseite der Demokratie denken (s. mein Blogeintrag vom 2. Februar). Es wäre interessant zu wissen, wie das Ergebnis aussähe, wenn die Wahlbeteiligung bei 100 % gelegen hätte… Insofern, lieber Gerhard Eisenkolb, muss ich Ihnen beipflichten. Man sollte nicht jedem Unheil freien Lauf gewähren.
      Campact hat übrigens einmal 10 Punkte aus dem Parteiprogramm bzw. der Zielsetzung der AfD zusammengestellt. Ich werde einen Link auf Twitter posten.

      1. Österreich hat einen Strache.
        Die 13,2 % sind aus meiner Sicht keine Überaschung.
        Ich denke wir werden uns zumindest in Ostdeutschland auf um die 25% einstellen müssen.
        Österreichische Verhältnisse.
        Und man hofiert ja die Dame geradezu!
        Ist in jeder Talkschow omnipraesent.
        Der Gipfel war die Einladung zum Bundespresseball:
        Da lädt sie die „Lügenpresse“ auch noch ein.
        Und was passiert, wenn die Dame das sagen hätte?
        Ein Blick nach Polen zeigts:
        Die „nette Dame“ der Pispartei zeigts dort allzudeutlich.
        Ich denke Europa ist angekommen in den 30ern.
        Und einen neuen Sündenbock hat man auch schon:
        Den Islam.
        Und die Zeiten aendern sich:
        Der Vater LePen wurde durch die Tochter ersetzt.
        Seitdem läufts.
        Aus NPD wird AFD und schon läufts auch bei uns.
        Ich denke, da hat man zulange gewartet mit dem verbieten.

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