Geliefert von unsichtbarem Boten

Das wäre Stoff für eine Satire, denke ich im zweiten Moment, als ich ein knapp mannshohes Paket unbekannter Herkunft auf meiner Terrasse vor der Küchentür entdecke. Kurz zuvor hatte ich einen Quader  von geschätzten 30 Kilogramm (hierzu weiter unten) unter Einsatz aller Muskelkraft von der Terrasse in die Küche bugsiert. Auch dieses hatte, von mir unbemerkt, ein Unbekannter heimlich abgelegt. Schön, das eine Paket war für den Nachbarn im Erdgeschoss, der gerade nicht zu Hause war. Der Adressat des Dreißigkilopakets hingegen wohnt im ersten Stock, und welchem Postler könnte man es verdenken, wenn er im vorweihnachtlichen Zustelldruck den kürzesten und kräfteschonendsten Weg wählt?

Die Deutsche Post hält es offenbar nicht für geboten, in dieser paketlastigen Zeit pro Fahrzeug einen zweiten Zusteller zu beschäftigen, da sie anscheinend der Meinung ist, der Transport von Paketen mittels Muskelkraft bis zu 31,5 Kilogramm sei einem Menschen, gleich welchen Geschlechts, ohne weiteres zuzumuten. Das erfahre ich von einem Zusteller der Deutschen Post AG. „Und da sind doch auch viele Frauen darunter“, kommentiert der junge Mann und schüttelt den Kopf. Dass der Paketzustelldienst ein absoluter Knochenjob sei, beklagte auch ein Zusteller in der AZ vom 21.6.2017: „Früher einmal waren 20 Kg als Höchstgrenze erlaubt, heute sind es 31,5 Kilogramm.“ Das entspricht der Maximalgröße eines Pakets.

Da werfen wir doch mal einen Blick in die Lastenhandhabungsverordnung. Die fordert von Arbeitgebern entsprechende Maßnahmen, um von den Beschäftigten Gefährdungen für Sicherheit und Gesundheit abzuwenden. Die Verordnung legt zwar keine konkreten Grenzwerte für (u.a.) Lastgewicht und Zeit fest, hält sich aber an eine Leitmerkmalmethode, die der Länderausschuss für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik (LASI) entwickelt hat. Der zufolge sollten Frauen gleich welchen Alters bei häufigem Heben höchstens 10 kg stemmen, Männer im Alter von 15 bis 18 Jahren 20 Kg, von 19 bis 45 Jahren 30 kg. Werden die Richtwerte überschritten, sei „von einem Handlungsbedarf auszugehen“ (https://www.komnet.nrw.de/_sitetools/dialog/10980).

Schon seit Jahren klagen Postangestellte über steigenden Arbeitsdruck. Doch das nimmt die Deutsche Post offenbar in Kauf. Hauptsache, die Aktionäre sind zufrieden, und das dürfte der Fall sein. Die FAZ.net vom 28.5.2016 notierte: „Die Post weiß nicht, wohin mit dem Geld und kauft eigene Aktien zurück.“ Und hier eine weitere gute Nachricht: Deutsche Post-Aktie nach Analystenlob auf Rekordhoch (nachzulesen in finanzen.net vom 26.4. 2017). Na also. Lehnen wir uns entspannt zurück, während uns die Postlerin das 30-Kilo-Paket vor die Tür wuchtet oder entkräftet irgendwo fallen lässt!

Das wär’s für heute.

Susanne Luecke

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