Wozu Thomas Gottschalk?

Früher einmal hatte ein Bote Glück, wenn seine Botschaft eine für den Empfänger erfreuliche war. Weniger, wenn er schlechte Nachrichten hatte. Da die Botschaft selber nicht bestraft werden konnte und der Absender so schnell nicht erreichbar war, traf der Zorn des Adressaten eben den Boten. Einen Brief zu zerreißen und auf den Fetzen herumzutrampeln, reichte oft wohl nicht, dem Frust Luft zu machen.

Heute hat man bisweilen den Eindruck, die Botschaft selber, bzw. ihr Inhalt, spiele weniger eine Rolle. In einer Zeit, da es vielen nicht darauf ankommt, ob eine Nachricht wahr oder falsch ist, zählt um so mehr der Unterhaltungswert einer Botschaft.

Sucht man im Internet nach sachlichen Informationen zu einem bestimmten Geschehen, also nach verifizierbaren Fakten, gerät man rasch in irgendwelche chat streams, in denen es letztlich nur darum geht, einander mit Mist zu bewerfen. Shit storms nennt sich so etwas.

Was den Bundesinnenminister Horst Seehofer dazu bewegt haben mag, den populären Moderator Thomas Gottschalk zu Hilfe zu holen, als er am 7. Mai auf einer Pressekonferenz seine Initiative gegen Gewalt gegenüber Rettungskräften vorstellte, ist schwer zu beurteilen. Vielleicht war es lediglich die Überlegung, er könne mittels eines sympathischen Begleiters sein eigenes ramponiertes Ansehen etwas aufhübschen, um überhaupt beim Publikum auf offene Ohren zu stoßen. Dabei ist sein Anliegen alles andere als leichtgewichtig.

Anlass zu seiner Initiative ist die Tatsache, dass Rettungskräfte im Einsatz häufig beleidigt, bedroht oder gar körperlich attackiert und verletzt werden. Verbindliche Zahlen hierzu gibt es anscheinend nicht. Ob nun ein Anstieg solcher Übergriffe vorliegt oder nicht, spielt jedoch im Grunde keine Rolle.

„Wenn man als Arzt, Pfleger, Sanitäter oder Feuerwehrmann Angst um seine eigene Gesundheit haben muss, nur weil man versucht … zu helfen, dann läuft irgendetwas gewaltig schief“, äußerte sich ein Notarzt in Bayern.

Um eine Botschaft solcher oder ähnlicher Art rüberzubringen, hätte es keines Thomas Gottschalk bedurft.

Das wär’s für heute.

Susanne Luecke

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