Alle Beiträge von Susanne Lücke

Also was denn nun – mehr Emotionen oder weniger?

Im November 2014 äußerte der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber  (CSU) in einem Gespräch mit der Illustrierten BUNTE Kritik an seiner Partei. Da fehle es an Engagement und Temperament (so etwa), und das sei wesentlich schuld an der bedenklich zunehmenden Wahlverdrossenheit. Also forderte er expressis verbis „mehr Herz, mehr Emotionen“,  sinngemäß: bewegen Sie, meine Damen und Herren Parteifreunde und -freundinnen, Ihren Arsch, dann werden denselben auch die Bürgerinnen und Bürger bewegen. Also was denn nun – mehr Emotionen oder weniger? weiterlesen

Entspannt ins neue Jahr

Im Folgenden geht es nicht um die großen Katastrophen im Leben, wie sie den Stoff für
Tragödien liefern, sondern um den ganz banalen Alltagsärger, der in der Lage ist, uns für einige Zeit aus dem Gleichgewicht zu bringen. So lange wir am Ende unseren Fuß auf die Brust eines Besiegten setzen können, ist alles gut; was aber, wenn wir die Unterlegenen sind? Freilich, Misserfolge sind nicht unbedingt vorhersehbar, viele wären aber vermeidbar. Das erfordert allerdings ein wenig Umdenken, zumal wenn Sie zu jenen gehören, die sich rigoros einer Selbstoptimierung zu unterziehen gedenken oder sich entschlossen in eine Selbsterkundunsarbeit stürzen wollen. Die Enttäuschung ist vorprogrammiert.
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„Lasst alle Hoffnung fahren!“, Teil 2

Noch ein unrühmliches Kapitel für deutsche Politiker und Diplomaten: der Fall der Elisabeth Käsemann, Tochter des Theologieprofessors und Mitglied der „Bekennenden Kirche“ Ernst Käsemann. Sie studierte in den sechziger Jahren Soziologie und Politikwissenschaften in Berlin und ging im Rahmen ihres Studiums als Praktikantin nach Lateinamerika, zunächst nach Bolivien, 1970 nach Buenos Aires. Die große Armut und Ungerechtigkeit in diesem Land berührten sie so, dass sie beschloss, dauerhaft in Argentien zu leben und sich für eine soziale Revolution einzusetzen. Doch die 1976 eingesetzte Militärdiktatur durchkreuzte ihre Pläne und wurde ihr schließlich zum Verhängnis. Mit anderen Gleichgesinnten wurde sie 1977 inhaftiert, gefoltert und noch im selben Jahr durch vier Pistolenschüsse in Rücken und Genick ermordet. „Lasst alle Hoffnung fahren!“, Teil 2 weiterlesen

„Lasst alle Hoffnung fahren!“

„Lasciate ogni speranza“ – lasst alle Hoffnung fahren! Diese Botschaft gibt Dante in seiner Göttlichen Komödie den zu ewiger Hölle Verdammten mit auf den Weg.

An die Hölle glauben wir heute ja nicht mehr, oder? Es gibt sie aber doch – dann und wann, da und dort, wenn auch nicht tief drin in der Erde, wo sie sich das Mittelalter dachte, sondern an ihrer Oberfläche, zum Beispiel (Nummer eins) in Chile von 1961 bis 1988, oder (Nummer zwei) in Argentinien in den 70er Jahren. Warum mir das ausgerechnet jetzt einfällt? Weil es aktuell um das Schicksal von vielen in der Türkei (wegen nicht nachvollziehbarer Vergehen) inhaftierten Journalisten und Menschenrechtlern geht. Unter den elf Untersuchungshäftlingen deutscher Staatsbürgerschaft ist auch die junge Übersetzerin Mesale Tolu, die mit ihrem zweijährigen Sohn seit April in einem türkischen Untersuchungsgefängnis einsitzt. „Lasst alle Hoffnung fahren!“ weiterlesen

Wer bestimmt, ob wir „gesund“ oder „krank“ sind? Gedanken zum Welt-Adipositas-Tag

Kein Tag vergeht, ohne dass er zu einem deutschen, europäischen oder weltweiten Gedenk- oder Aktionstag erklärt wurde, und es herrscht geradezu ein ausuferndes Gedenken an irgend etwas hat das Leben doch unzählige Themen im Angebot. So gibt bzw. gab es den Welt-Händewasch-Tag, einen Stell-dich-deinen-Ängsten-Tag, einen Welthundetag, einen Thrombose-und-Hämostaseologie-Tag, einen Nimm-Deinen Teddybär-mit-zur-Arbeit-Tag, einen Weltnudeltag und Wer bestimmt, ob wir „gesund“ oder „krank“ sind? Gedanken zum Welt-Adipositas-Tag weiterlesen

Maschine Kind. Gedanken zum Schulanfang.

Morgen ist es auch in Bayern vorbei mit der Lotterei – Schulanfang! Aus der Spaß, Schluss mit dem Langschläfertum! Wenn um sechs (oder früher?) der Wecker klingelt, wird die Maschine Kind angeknipst und hat auf der Stelle störungsfrei zu funktionieren.

Ich – im Folgenden: das Kind. Dieses Kind war so unartig, am Abend Maschine Kind. Gedanken zum Schulanfang. weiterlesen

Lieber einen Terroristen im Haus …

Vor vielen Jahren sagte mir einmal eine kanadische Journalistin, sie habe lieber einen Terroristen als die Polizei im Haus. Ich war damals irritiert und habe seitdem häufig darüber nachgedacht. Als kürzlich die ARD in ihrer Sendung „Europamagazin“ eine Meldung in den Printmedien aufgriffen und über einen jungen Polen berichteten, der (wie sich später herausstellte, obendrein unschuldig) im Mai 2016 in Breslau von der Polizei mit einem Elektoschocker traktiert, verprügelt und getreten wurde und schließlich an den Folgen starb, war mir dieser Satz spontan wieder präsent. Die verantwortlichen Beamten wurden zunächst nicht zur Rechenschaft gezogen, da im polnischen Strafgesetzbuch der Tatbestand der Folter fehlt. Erst nachdem das Fernsehen Aufnahmen von den Misshandlungen publiziert hatte, wurden die Täter aus dem Polizeidienst entlassen.
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